„Heute Molotow-Cocktails, morgen Gewehre“

Universität Ayotzinapa
Universität Ayotzinapa, Tixtla, Guerrero, Mexiko

Das Verschwinden von 43 jungen Männern in Mexiko ruft immer heftigere Proteste hervor. Studenten der Autonomen Universität von Mexiko-Stadt brannten am Mittwoch einen Bus nieder und riefen: „Heute sind es Molotow-Cocktails, morgen sind es Gewehre“. Mehrere Kilometer entfernt gingen im Zentrum der Hauptstadt erneut mehrere Zehntausend Menschen auf die Straße. „Lebend habt ihr sie genommen, leben wollen wir sie zurück“, forderten sie mit Blick auf die Studenten der pädagogischen Fachschule Ayotzinapa, die seit über 40 Tagen im südmexikanischen Bundesstaat Guerrero verschwunden sind. Auch in Chilpancingo, der Landeshauptstadt von Guerrero, sowie dem Badeort Acapulco kam es wieder zu Aktionen. Ayotzinapa-Studenten blockierten wichtige Verkehrsadern und Zugänge zu Einkaufszentren.

taz, 7. November 2014

Die Festnahme zweier mutmaßlicher Drahtzieher des Angriffs vom 26. September in der Stadt Iguala, bei dem auch sechs Personen von Polizisten und Kriminellen erschossen wurden, hat offiziell noch nicht zu mehr Informationen über den Verbleib der Vermissten geführt. Der Bürgermeister von Iguala, José Luis Abarca, sowie dessen Frau María de los Ángeles Pineda wurden am Dienstag in Mexiko-Stadt festgenommen. Abarca soll den Befehl zur Festnahme der angehenden Lehrer erteilt haben. Die Studenten wurden später der Mafia-Organisation Guerreros Unidos übergeben und sind seither nicht mehr aufgetaucht. Viele Berichte legen nahe, dass sie ermordet wurden. De los Ángeles hat die örtliche Gruppe der Verbrecherbande angeführt.

Die mexikanische Regierung informierte indes darüber, dass nach einem Treffen mit Angehörigen, Ayotzinapa-Studenten sowie Vertretern von Menschenrechtsorganisationen der Informationsfluss verbessert werden solle. Insgesamt seien 10.000 Sicherheitskräfte nach Guerrero entsandt worden, um nach den Verschwundenen zu suchen. Die Angehörigen kritisieren seit langem die schleppenden Ermittlungen der Behörden. Viele haben kein Vertrauen in die Regierung. Zwar wurden mindestens 25 Massengräbern mit zahlreichen Leichen gefunden, allerdings konnte bislang keine den Vermissten zugeordnet werden.

Nach Berichten der mexikanischen Tageszeitung La Jornada haben Vertreter der Landesregierung von Guerrero den Angehörigen 100.000 Pesos (ca. 5900 Euro) geboten, um den Fall auf sich beruhen zu lassen. Viele Eltern seien gefragt worden, ob sie etwas bräuchten, erklärte demnach Bernabé Abraham Gaspar, der Vater eines Vermissten: „Und das, damit wir schweigen.“

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