„Wir dürfen gar nichts verkaufen“

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In Mount Papakura tobt der Krieg. Schüsse fallen, Autos explodieren, Häuser gehen in Flammen auf. Milizen schiessen aus den Bergen, Soldaten schützen sich hinter einem Güterwaggon, der am Bahnhof des Dorfs zurückgeblieben ist. Dann kreuzen Panzer das Schlachtfeld, und immer wieder greifen Kampfjets ein. Ohrenbetäubender Lärm durchdringt das Szenario. Die Lage beruhigt sich erst, als die feindlichen Truppen flüchten.

Tote gibt es nicht. Sie sind in diesem Spektakel nicht vorgesehen. Niemand will hier schwer verletzte Menschen sehen, die im Wüstensand verenden. Denn das Gefecht um Mount Papakura ist eine Show, die zum Kauf animieren soll. Eine mit dramatischer Musik unterlegte einstündige Inszenierung, mit der am 19. Februar die internationale Waffenmesse Idex in Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), beginnt. Vor gefüllten Rängen demonstriert die Armee des Golfstaats KundInnen aus aller Welt ihre Kampfkraft. Es ist der Auftakt einer fünf Tage dauernden Messe, an der 1200 Rüstungskonzerne teilnehmen: Firmen aus über fünfzig Staaten, aus Deutschland, Pakistan, Südafrika, dem Sudan – und aus der Schweiz.

woz, 9. März 2017

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Der Druck auf die schwäbische Waffenschmiede steigt

Für die Gemeindepolizei im Einsatz: Gonzalo Morales und David Chanita
Für die Gemeindepolizei im Einsatz: Gonzalo Morales und David Chanita

Tixtla – Sie wollten doch nur demonstrieren, weil einige ihrer Mitstreiter zu Unrecht im Gefängnis saßen. Aber dann eskalierte die Situation. Es kam zu einem Handgemenge. Plötzlich brachten die Polizisten ihre Gewehre in Anschlag. „Da mussten wir ihnen doch ihre Waffen abnehmen.“ Gonzalo Molina sitzt auf einer Bank und blickt nervös um sich. Ständig klingelt sein Handy. Drei Monate ist es her, seit seine Miliz das Rathaus besetzt hatte. Die Geschichte kann für ihn noch böse ausgehen.

Stuttgarter Zeitung vom 4. Februar 2014

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Gefährliche Beute

In der mexikanischen Provinz Guerrero sind Sturmgewehre deutscher Herkunft im Umlauf. „Wenn die Regierung die Gewehre hat, dann auch die Mafia“, sagt Gemeindepolizist Gonzalo Molina

AUS TIXTLA WOLF-DIETER VOGEL

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Sturmgewehr vomTyp G36 in Tixtla im mexikanischen Bundesstaat Guerrero,
Foto: Wolf-Dieter Vogel

Gonzalo Molina muss noch einmal los. Es ist dringend, unten im Stadtzentrum sind die Leute sehr besorgt. Seit der Tropensturm „Manuel“ den vielen Regen gebracht hat, steht Tixtla unter Wasser. Einige Wochen ist das schon her, doch die Bewohner müssen sich noch immer durch eine meterhohe stinkende Brühe kämpfen. Manche stehen im Schlamm vor ihren Häusern und bewachen Kühlschrank, Waschmaschine und anderen Hausrat. Denn die Diebe der Mafia nutzen das Chaos und gehen auf Raubzug. Also fährt Gonzalo Molina mit seinem Kollegen David Chanita zu einer Familie, die um Hilfe bat. Wer, wenn nicht die selbst organisierte Gemeindepolizei, sollte die Menschen im südmexikanischen Bundesstaat Guerrero vor den Kriminellen schützen?

Reportage in der taz vom 29. 11. 2013

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Ein paar Quadratmeter Sicherheit

Der Eingang nach Las Camelias . Foto Kristin Gebhardt
Der Eingang nach Las Camelias . Foto Kristin Gebhardt

Vier Millionen Menschen mussten im kolumbianischen Krieg ihr Zuhause verlassen. Einige von ihnen kehrten in den letzten Jahren zurück. Doch der Terror der Paramilitärs geht weiter. Nun hoffen sie darauf, dass bei den Friedenverhandlungen zwischen FARC-Guerilla und Regierung eine Lösung gefunden wird, die den Kleinbauern mehr Schutz und Sicherheit bietet.

 

Eine Reportage in der taz vom 15. Mai 2013

LAS CAMELIAS taz | Nichts ist erfunden, alles ist genau so passiert. Darauf legt Heyler Santos großen Wert. Gerade deshalb fällt ihm das Singen ja so leicht. Wer also die Geschichte des 21-Jährigen und seiner beiden Freunde verstehen will, muss bloß zuhören. „Nach allem, was wir erlebt haben“, sagt der Afrokolumbianer, „springen die Worte wie von selbst heraus.“

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Das Haus von Casablanca

CASABLANCA taz | Noch einmal heiraten? Nein, mit Männern will Assisa nichts mehr zu tun haben. „Männer nehmen die Ehe nicht ernst“, sagt die 31-jährige Marokkanerin. Ihren Nachnamen will sie lieber nicht nennen. Aus Sicherheitsgründen.

Mit einer festen Stimme, die weder Wut noch Selbstmitleid durchschimmern lässt, erzählt sie über die Jahre, die sie mit ihrem Mann verbracht hat. Von den vielen Schlägen, von der Angst und von den zahlreichen Versuchen, ihn zu verlassen. „Immer wenn am Monatsende das Geld knapp wurde, verlor er die Nerven und hat mich misshandelt.“

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Wilkommen in der Wüste

Flüchtlingslager Choucha: Abgestellt in der Wüste, Foto: Michael Danner
Flüchtlingslager Choucha: Abgestellt in der Wüste, Foto: Michael Danner

Im tunesischen Lager Choucha sitzen Flüchtlinge aus Schwarzafrika fest, die Lage ist angespannt: Viele in dem Lager sind verzweifelt, es kam zu blutigen Kämpfen mit Anwohnern und Sicherheitskräften. Andere riskierten die lebensgefährliche Fahrt über das Mittelmeer. Doch zugleich versorgt die tunesische Bevölkerung eine enorme Zahl von Flüchtlingen, die vor dem Bürgerkrieg in Libyen flüchten mussten.

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Abraham Isloma ist keiner, der schnell aufgibt. Wie hätte er sonst die vergangenen Jahre ausgehalten? Die Flucht aus seiner Heimat, den mörderischen Weg durch die Sahara, die Erniedrigungen durch die Soldaten des libyschen Regimes. Doch die Ereignisse der vergangenen Wochen stecken ihm noch in den Knochen. „Du hast nur ein Leben, und wenn du es verlierst, ist es für immer weg. Aber ich liebe mein Leben“, sagt er. Und damit es die Leute draußen in der Welt auch wirklich hören, betont er gleich mehrmals: „Wir sind hier nicht sicher. Die können uns nicht schützen.“ Zustimmend nicken die anderen Männer, die sich mit dem Nigerianer an diesem Morgen unter einem der wenigen Bäume niedergelassen haben, die in dieser vom Regen vergessenen Gegend noch wachsen.

Ein Artikel aus dem Amnesty-Journal vom Juli 2011

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Hugo total

Das Weltsozialforum in Caracas schien zuweilen nur den Zweck zu haben, den venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez zu feiern.  Doch es gab auch Alternativen. Eindrücke

Rund 80 000 Menschen nahmen in der vergangenen Woche am lateinamerikanischen Teil des 6. Weltsozialforums (WSF) in der venezolanischen Hauptstadt Caracas teil. Verteilt auf zehn Orte fanden etwa 2 000 Veranstaltungen, Workshops und Seminare statt. Die Themen waren so vielfältig wie die globalisierungskritische Bewegung Lateinamerikas. Vertreter von Bauernorganisationen diskutierten über die Notwendigkeit einer Landreform, Indígenas über Ausgrenzung und indigene Rechte, Radiofreaks über das Recht auf freie Kommunikation, HipHopper über schwarze Befreiung in den USA, Schwule und Lesben über »Homophobie, Transphobie und Biphobie«, Gewerkschafter über die Arbeitsbedingungen in Weltmarktfabriken, Migranten über die geplante neue Mauer zwischen den USA und Mexiko. Alle zusammen sprachen sich »gegen Imperialismus und Krieg« aus und brachten ihre Ablehnung des Irak-Kriegs auf einer Auftaktdemonstration am 24. Januar zum Ausdruck.

Eine Reportage in der Jungle World vom 1. Februar 2006

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Worte zum Leben finden

Ob er noch kommt? Ob er die Nachricht überhaupt erhalten hat? Unruhig läuft Priscilla
Núñez Vargas durch die steinigen Gassen von Huarcaya. Schon eine Ewigkeit hat sie
ihren Vater nicht mehr gesehen. Die Wege im peruanischen Andenhochland sind be-
schwerlich, und die Arbeit in der fernen Provinzhauptstadt erlaubt ihr nur selten einen
Abstecher nach Hause. Zwar erreicht sie die Gemeinde schneller, seit eine Schotterpiste
zumindest Geländefahrzeugen die Fahrt entlang der steilen Abhänge ermöglicht. Doch
die Eltern leben weit abseits des Dorfes, und so hat die 25-Jährige beschlossen, ihren
Vater in Huarcaya zu treffen – dem Ort, in dem sie aufgewachsen ist und wo sie jeder
Baum, jede Kreuzung, jeder Felsen an ihre Kindheit erinnert.

Eine Reportage aus der Broschüre „Gewaltfrei für den Frieden“ des Konsortiums Ziviler Friedensdienst

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