Spuren der Erinnerung

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Huellas de la Memoria – Ausstellung in Berlin. Foto: Jessica Zeller

Spuren der Erinnerung – das ist eine Ausstellung, die gerade in Berlin zu sehen ist. Im Fokus: Die mexikanischen Verschwundenen und die Suche ihrer Angehörigen. Mindestens 32.000 Menschen gelten seit 2007 als vermisst. Die einen werden von Kriminellen verschleppt, andere verschwinden, während sie sich in den Händen von Polizisten oder Soldaten befinden. Seit Jahren suchen die Angehörigen nach ihren Söhnen, Töchtern oder Geschwistern und fordern Aufklärung. Der mexikanische Bildhauer Alfredo Lopez und sein Künstlerkollektiv machen nun mit einer ungewöhnlichen Ausstellungen auf die Verschwundenen und den Kampf der Angehörigen aufmerksam.

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Keine Straffreiheit mehr

Jahresbilanz_der_Pressefreiheit_2016_-_Inhaftierte_oder_entfuehrte_JournalistenDie Zeiten für Medienschaffende werden gefährlicher: Letztes Jahr wurden weltweit 74 Journalistinnen und Journalisten ermordet, mindestens 52 gelten als verschwunden. Dabei seien es nicht nur Bürgerkriegsländer wie Irak oder Syrien, in denen Pressevertreter angegriffen und getötet würden. Das betont die Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen (ROG), die diese Zahlen veröffentlicht hat.

In der Türkei sitzen rund 150 Berichterstatter hinter Gittern. In Mexiko wurden seit 2000 mindestens 126 Journalisten getötet, allein in diesem Jahr sind es schon sieben. Kaum ein Täter landet dort vor Gericht. Trotzdem unternimmt die mexikanische Regierung nach Ansicht von Kritikern viel zu wenig, um der Gewalt und der Straflosigkeit Einhalt zu gebieten.

„Hätten wir einen UN-Sonderbeauftragen für den Schutz von Journalisten, wäre der schon lange in Mexiko und könnte sich um die Fälle kümmern“, erklärt ROG-Geschäftsführer Christian Mihr der taz. Seit zwei Jahren machen sich ROG sowie andere NGOs und Medienunternehmen für eine solche Stelle stark.

Am Freitag sprach sich nun auch der Bundestag dafür aus. In einem von Union und SPD eingebrachten Antrag wird die Bundesregierung aufgefordert, „eine UN-Initiative zum Schutz von Journalistinnen und Journalisten und gegen Straflosigkeit zu unterstützen und die Einsetzung eines Sonderbeauftragten voranzubringen“.

taz, 26. Juni 2017

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Atemberaubendes Gedränge

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Was bleibt, ist ein gemeinsames Bier. Ein „duales Bier“, hergestellt von sechs Braumeistern. Drei Mexikanern, drei Deutschen. Denn Bier, so steht es auf der Flasche, ist immer Gesprächsthema zwischen Menschen der beiden Nationalitäten.

Für Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto bietet die Hopfenfusion einen guten Anlass, um mit Kanzlerin Angela Merkel auf ein erfolgreiches Projekt anzustoßen: auf das „Año Dual“, das „Duale Jahr“, ein kulturelles Austauschprogramm mit zahlreichen Konzerten, Filmaufführungen und weiteren Events, das die beiden an diesem Abend offiziell beenden.

Also wird beim Abendessen im Nationalpalast von Mexiko-Stadt nicht Wein, wie sonst bei Staatsbesuchen üblich, sondern ebendieses binational gebraute Bier ausgeschenkt. Es soll eine großartige gemeinsame Zukunft der beiden Staaten symbolisieren, eine Zukunft, die mit dem Mexiko-Besuch Merkels am Wochenende und dem Dualen Jahr besiegelt zu sein scheint.

taz, 11. Juni 2017

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Unappetitliche Verwandtschaft

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Zwanzig Jahre ist sie nun schon alt, diese Dschungelwelt, die wir mit vielen Wirren eines Arbeitskampfes im Juni 1997 gegründet haben. Zur Jubiläumsausgabe habe ich mich mit einem Thema beschäftigt, das sich durch die Geschichte dieser Zeitung zieht: dem traditionellen Antiimperialismus und seinen Stilblüten.

Internationalismus hat viele Gesichter: Aktivistinnen dokumentieren die mörderischen Angriffe des syrischen Regimes, Flüchtlinge fordern Bleiberecht, Umweltschützer kritisieren den Landraub in afrikanischen Staaten und Antimilitaristen setzen sich dafür ein, dass deutsche Rüstungsproduzenten vor Gericht landen, mit deren ­Gewehren Polizisten auf Oppositionelle schießen.

Diese Kämpfe bezwecken nicht unmittelbar die radikale Umwälzung kapitalistischer Verhältnisse. Trotzdem haben sie antiimperialistischen Charakter. Sie richten sich gegen internationale Wirtschafts- und Handelsstrukturen oder geopolitische Strategien, durch die Menschen ins Elend getrieben und ganze Landstriche zerstört werden. Die Verantwortlichen findet man in Moskaus Machtzentralen, Pekings Regierungspalästen, bei US-Konzernen, in europäischen Parlamenten und lateinamerikanischen Mafiabanden.

Jungle World, 8. Juni 2017

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Brücken bauen statt Mauern

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OAXACA taz | Günstiger geht’s nicht: Bereits zwei Jahre bevor im mexikanischen Bundesstaat San Luis Potosí der erste BMW der 3er-Reihe vom Band laufen soll, haben sich die deutschen Autobauer mit der Gewerkschaft CTM auf die Löhne geeinigt. Anfänger sollen 1 Euro pro Stunde erhalten, der Spitzenverdienst am Band wird bei 2,30 Euro liegen.

Damit garantiert die der regierenden Partei PRI nahestehende Gewerkschaft die „günstigen Investitionsbedingungen“, mit denen das Land wirbt. Auch Audi und Mercedes wollen davon profitieren und lassen sich derzeit mit großen Werken in Mexiko nieder. 2,40 Euro pro Stunde werden sie künftig ihren Bandarbeitern zahlen müssen – ein Bruchteil der deutschen Löhne. Mexiko bietet damit die niedrigsten Produktionskosten aller Staaten, die große Fahrzeuge bauen.

taz, 19. Mai 2017

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Warten in Caracas

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Es sollte ein Angriff gegen die repressive deutsche Flüchtlingspolitik werden: Mit 120 Kilogramm Sprengstoff wollte die Gruppe »das K.O.M.I.T.E.E.« ein im Bau befindliches Abschiebegefängnis im Berliner Stadtteil Grünau in die Luft sprengen. Es sei um weit mehr gegangen als bloße Symbolik, erklären die Militanten später. Man wollte effektiv gegen die Abschiebungen vorgehen, die »Maschinerie« sollte zumindest vorübergehend gestoppt werden.

Doch daraus wurde nichts. Eine Polizeistreife entdeckte die Bomben in einem Ford-Transit-Lieferwagen, der auf einem Waldparkplatz abgestellt worden war. In einem zweiten Fahrzeug fanden die Beamten Ausweispapiere, die auf mutmaßliche Täter verwiesen: Peter Krauth, Thomas Walter und Bernhard Heidbreder. Die drei Männer aus der autonomen Szene tauchten ab.

Neues Deutschland, 4. April 2017

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Aufgetaucht nach Jahrzehnten

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Foto: http://www.ende-aus.net

BERLIN taz | 22 Jahre waren sie flüchtig, nun sind sie in Venezuela wieder aufgetaucht. Wie jetzt bekannt wurde, haben zwei mutmaßliche Mitglieder der militanten Gruppe „Das K.O.M.I.T.E.E.“ am 8. März in dem südamerikanischen Land einen Antrag auf Asyl gestellt. „Damit haben wir zum ersten Mal seit 22 Jahren in der Illegalität so was wie einen legalen Status“, schreiben Thomas Walter und Peter Krauth in einem Brief, der auf der Webseite einer Solidaritätsgruppe veröffentlicht wurde.

Gemeinsam mit dem ebenfalls abgetauchten Bernhard Heidbreder sollen sie am 11. April 1995 versucht haben, das im Bau befindliche Abschiebegefängnis in Berlin-Grünau in die Luft zu sprengen. Die Aktion sollte sich gegen die restriktive deutsche Flüchtlingspolitik richten. Sie ging jedoch schief. Die Gruppe wurde von der Polizei überrascht und musste fliehen. Die drei Männer aus der autonomen Szene tauchten ab, das K.O.M.I.T.E.E. löste sich wenige Monate später auf.

taz, 21. März 2017

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