Ecuador – Fortschritt für wen?

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Olga Curtíz bei der Arbeit

(Berlin, 29. Januar 2016, npl).- Junín, eine kleine Gemeinde in den nordwestlichen Ausläufern der Anden Ecuadors. Dort betreibt Olga Curtíz mit einer Kooperative ein Gästehaus, das Abenteuerurlauber*innen Unterkunft bietet. Ökotourismus zwischen Bananenstauden, Orangenbäumen und Kaffeesträuchern, inmitten eines subtropischen Regenwaldes, der die Bergregion in ein grünes Paradies verzaubert. Viel Geld verdient die 41jährige alleinstehende Frau nicht, aber es reicht, um die drei Kinder über die Runden zu bringen. Doch damit könnte demnächst Schluss sein. Denn Curtíz befürchtet, dass sich das Projekt bald nicht mehr rentiert. „Die ausländischen Urlauber könnten wegbleiben, weil sich nun die staatliche Firma ENAMI in Junín niedergelassen hat“, erklärt sie.

Das Bergbau-Unternehmen ENAMI plant, eine 5000 Hektar große braune Wunde in den Dschungel zu schlagen. ENAMI will 2,2 Millionen Tonnen Kupfer im offenen Tagebau fördern. Das haben in den beiden letzten Jahrzehnten schon ein kanadisches sowie ein japanisches Unternehmen versucht und erste Bohrungen vorgenommen. Doch wegen des Widerstands der Bevölkerung zogen sie sich zurück.

Poonal, 10. Februar 2016

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Ecuador – Fortschritt für wen?

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Treffpunkt Basketplatz: Das Herz von Junín

Indigene Gemeinden und Umweltschützer hatten große Hoffnungen, als Rafael Correa 2007 zum Präsidenten Ecuadors gewählt wurde. Schließlich hatte er sich für eine vorsichtigen Umgang mit der Natur und gegen die rückhaltlose Ausbeutung der Rohstoffe stark gemacht. Doch davon will der linke Politiker längst nichts mehr wissen.Er hat grünes Licht für die umstrittene Förderung des Erdöls im Yasuní-Nationalpark gegeben und unterstützt den Abbau von Mineralien in anderen Regionen des Andenlandes. So auch in der nordwestlichen Region Intag. Dort will die Regierung nahe der Gemeinde Millionen von Tonnen Kupfer fördern. Doch die Bewohnerinnen und Bewohner machen gegen die Pläne mobil. Von ihrem Präsidenten wollen sie schon lange nichts mehr wissen.

Ein Radiobeitrag für den Nachrichtenpool Lateinamerika

Geteiltes Leid, gespaltene Gemeinde

Junín in Intag-Tal im Nordwesten Ecuadors
Junín in Intag-Tal im Nordwesten Ecuadors

JUNÍN taz | Olga Curtíz will alles wissen. „Was haben sie erzählt? Wie viel Geld bekommen sie dafür?“ Noch immer ist die 40-Jährige fassungslos. Seit in diesem Mai Mitarbeiter der staatlichen Bergbaufirma Enami mit Unterstützung von drei Hundertschaften Polizei in Junín einmarschiert sind, ist nichts mehr, wie es vorher war. Nicht nur, weil jetzt bald in der Region Kupfer gefördert werden soll. Vor allem ist sie bestürzt, weil ihre eigene Familie den Uniformierten und Technikern Unterkunft bietet. Sie sind nicht die Einzigen im Dorf, die mit dem Staat kooperieren. Aber für Curtíz ist es „das Schlimmste, was man machen kann“.

taz vom 13. August 2014

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Alles Ökoterroristen?

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Auf dem Dorfplatz von Junín

Mit Trommeln, Transparenten und bunten Regenschirmen waren sie gekommen. Die einen riefen Parolen, andere sangen oder bliesen in große Muscheln. Es war eine laute, bunte Truppe aus Umweltschützern, Indigenen und Linken, die durch die Straßen der ecuadorianischen Hauptstadt Quito zog. In einem Transporter brachten sie weiße Kartons voller Zettel mit. Mehr als 750.000 Unterschriften hatten sie im vergangenen halben Jahr gegen die Zerstörung des Amazonas-Regenwalds gesammelt. Die Listen übergaben die „Yasunidos“, wie sie ihre Bewegung nennen, dem staatlichen Nationalen Wahlrat, der unter anderem für Volksentscheide verantwortlich ist.

Welt-Sichten, Juli 2014 „Alles Ökoterroristen?“ weiterlesen