Fallende Bäume für die Freiheit

fahne managua II

„Wenn die Symbole fallen, fällt das Regime“, sagt der Menschenrechtsaktivist Juan Carlos Arce und erzählt vom Optimismus jener Tage, an denen die Demonstranten durch die Straßen Managuas zogen und Bäume fällten. Keine echten Bäume, sondern Metallgerüste, die Nicaraguas First Lady und Vizepräsidentin Rosario Murillo aufstellen ließ, damit die Menschen „die Schönheit der Hauptstadt genießen können“.

Für die Gegner von Staatschef Daniel Ortega sind die „Bäume des Lebens“ jedoch schlicht Symbole autoritärer Macht. Mit jeder Skulptur, die fiel, fühlten sie sich ihrem Ziel näher: dem Sturz des Duos Ortega-Murillo von der Sandinistischen Befreiungsfront (FSLN).

epd / Domradio vom 18. April 2019

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Nicaraguas falsche Freunde

fahne managua II

Erinnern Sie sich noch an Max Blumenthal? Er war einer von zwei Journalisten, die vor vier Jahren Gregor Gysi im Bundestag bedrängt und bis zur Toilette verfolgt hatten. Sie wollten den Linken-Politiker zur Rede stellen, weil er untersagt hatte, dass die israelkritischen Publizisten im Namen seiner Fraktion in deren Sitzungssaal und der Berliner Volksbühne sprechen. Am 9. November, dem Jahrestag der Pogromnacht von 1938, wollten beide dort für den Boykott Israels werben.

taz, 18. Oktober 2018

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Der Kampf hat erst begonnen

fahne managua II

Raul Zamora hatte nicht damit gerechnet, dass er diese Nacht überlebt. Die Angreifer schossen unentwegt, 16 Stunden lang. „Nur wenn sie nachladen mussten, war für einen kurzen Moment Pause“, erzählt der Pfarrer. Zahlreiche Einschusslöcher an der Außenwand seiner Kirche in Nicaraguas Hauptstadt Managua erinnern an die beiden Tage im Juli. Maskierte Paramilitärs hatten das Gebäude angegriffen, nachdem etwa 150 Studentinnen und Studenten der benachbarten Universität dort Schutz gesucht hatten. Polizisten sperrten die Straße ab, damit die Vermummten ungestört agieren konnten.

Am frühen Morgen hatten Polizeibeamte und bewaffnete Schlägertrupps der Regierung  die Nationale Autonome Universität von Nicaragua gestürmt und damit der Besetzung der Hochschule ein Ende bereitet. Das Uni-Gelände war wieder unter Kontrolle des Regimes. „Wir dachten, die Lage würde sich entspannen“, sagt Pfarrer Zamora. Doch die Angreifer verfolgten die jungen Männer und Frauen bis in die Kirche. „Da wurde mir klar, dass sie die Studenten nicht nur räumen, sondern vernichten wollten“, sagt der Geistliche.

Welt-Sichten, September 2018

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Kirche im Fadenkreuz des Präsidenten

Kirche mit Einschussloechern

Im Machtkampf mit der Opposition hat Nicaraguas Präsident Daniel Ortega die katholische Kirche zum „Staatsfeind“ erklärt. Geistliche geraten daher ins Visier von Polizei und Paramilitärs. In Kirchen Schutz suchende Oppositionelle wurden getötet.

Morgenmesse in der Kirche Jesús de la Divina Misericordia: Einige Ventilatoren vertreiben die tropische Hitze, von draußen dringt der Lärm des Berufsverkehrs in das katholische Gotteshaus. Etwa 40 Menschen sind gekommen, um der Andacht von Pfarrer Raul Zamora beizuwohnen. An einer Wand des Kirchenschiffes stehen Leitern und Eimer. Kaum ist die Messe vorbei, machen sich Handwerker an die Arbeit. Denn noch immer zeugen Risse im Verputz und kaputte Leuchter von jenen Stunden im Juli, in denen die Kirche bewaffnet angegriffen wurde.

Deutschlandfunk Kultur, 16. September 2018

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Ortega schlägt zu

kreuze I

Wer in diesen Tagen in Nicaragua oppositionelle Studenten und andere Aktivistinnen treffen will, verbringt viel Zeit in Cafés, Hinterzimmern von Restaurants und Einkaufszentren. Kaum jemand lebt zuhause, viele wollen sich nicht unnötig in der Öffentlichkeit zeigen, die großen Universitäten sind geschlossen. Doch dieses Mal ist das Warten umsonst. „Ich kann aus Sicherheitsgründen nicht kommen“, schreibt Edwin, den alle unter dem Namen „El Sombrerito“ kennen. „Ein Auto mit zwei seltsamen Personen verfolgt mich.“

Der Zeitpunkt für das Gespräch ist ungünstig. Es ist der 22. August. Unweit unseres vereinbarten Treffpunkts im Zentrum Managuas sind Anhänger der regierenden Sandinistischen Befreiungsfront (FSLN) auf den Straßen. Mit den schwarz-roten Fahnen der Partei ziehen sie durch die Innenstadt. Regierungschef Daniel Ortega hat zur Kundgebung aufgerufen, um den 40. Jahrestag der Besetzung des Nationalpalasts zu feiern, mit der die Sandinisten den Sieg gegen das Regime des Diktators Anastasio Somoza einläuteten. Ein gefährlicher Moment für einen bekannten Studenten wie Edwin.

taz, 27. August 2018

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Mit Snowden gegen das Empire

Für die Regierungen Boliviens, Venezuelas, Nicaraguas und Ecuadors hätte es nicht besser kommen können: Ein Mann, der als Enthüller massiver US-Abhörmaßnahmen in aller Welt verehrt wird, sucht Asyl.

Zahlreiche Staaten, die wie Deutschland eine Konfrontation mit Washington vermeiden wollen, verweigern die Aufnahme. Dann geben sich die Europäer auch noch als Handlanger der „Gringos“ her und stoppen die bolivianische Präsidentenmaschine, weil der Verfolgte an Bord vermutet wurde.

Ein Kommentar in der taz vom 8. Juli 2013

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Ein Revolutionär kehrt zurück

Wie Phönix aus der Asche ist Daniel Ortega, Nicaraguas sandinistischer Ex-Präsident, zum aussichtsreichen Kandidaten bei den Präsidentschaftswahlen am 5. November aufgestiegen. Von den eigenen Weggefährten der sandinistischen Vergangenheit wird er misstrauisch beäugt.
Ein Beitrag in „Eine Welt“ des Deutschlandfunks vom 28. Oktober 2006