Unappetitliche Verwandtschaft

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Zwanzig Jahre ist sie nun schon alt, diese Dschungelwelt, die wir mit vielen Wirren eines Arbeitskampfes im Juni 1997 gegründet haben. Zur Jubiläumsausgabe habe ich mich mit einem Thema beschäftigt, das sich durch die Geschichte dieser Zeitung zieht: dem traditionellen Antiimperialismus und seinen Stilblüten.

Internationalismus hat viele Gesichter: Aktivistinnen dokumentieren die mörderischen Angriffe des syrischen Regimes, Flüchtlinge fordern Bleiberecht, Umweltschützer kritisieren den Landraub in afrikanischen Staaten und Antimilitaristen setzen sich dafür ein, dass deutsche Rüstungsproduzenten vor Gericht landen, mit deren ­Gewehren Polizisten auf Oppositionelle schießen.

Diese Kämpfe bezwecken nicht unmittelbar die radikale Umwälzung kapitalistischer Verhältnisse. Trotzdem haben sie antiimperialistischen Charakter. Sie richten sich gegen internationale Wirtschafts- und Handelsstrukturen oder geopolitische Strategien, durch die Menschen ins Elend getrieben und ganze Landstriche zerstört werden. Die Verantwortlichen findet man in Moskaus Machtzentralen, Pekings Regierungspalästen, bei US-Konzernen, in europäischen Parlamenten und lateinamerikanischen Mafiabanden.

Jungle World, 8. Juni 2017

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