Unappetitliche Verwandtschaft

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Zwanzig Jahre ist sie nun schon alt, diese Dschungelwelt, die wir mit vielen Wirren eines Arbeitskampfes im Juni 1997 gegründet haben. Zur Jubiläumsausgabe habe ich mich mit einem Thema beschäftigt, das sich durch die Geschichte dieser Zeitung zieht: dem traditionellen Antiimperialismus und seinen Stilblüten.

Internationalismus hat viele Gesichter: Aktivistinnen dokumentieren die mörderischen Angriffe des syrischen Regimes, Flüchtlinge fordern Bleiberecht, Umweltschützer kritisieren den Landraub in afrikanischen Staaten und Antimilitaristen setzen sich dafür ein, dass deutsche Rüstungsproduzenten vor Gericht landen, mit deren ­Gewehren Polizisten auf Oppositionelle schießen.

Diese Kämpfe bezwecken nicht unmittelbar die radikale Umwälzung kapitalistischer Verhältnisse. Trotzdem haben sie antiimperialistischen Charakter. Sie richten sich gegen internationale Wirtschafts- und Handelsstrukturen oder geopolitische Strategien, durch die Menschen ins Elend getrieben und ganze Landstriche zerstört werden. Die Verantwortlichen findet man in Moskaus Machtzentralen, Pekings Regierungspalästen, bei US-Konzernen, in europäischen Parlamenten und lateinamerikanischen Mafiabanden.

Jungle World, 8. Juni 2017

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Vom Bellen zum Beißen

Ist von Menschenrechten die Rede, denken viele zunächst an Meinungs- und Pressefreiheit oder das Verbot von Folter und Diskriminierung. Doch neben den „politisch-bürgerlichen“ gewinnen zunehmend die „sozialen Menschenrechte“ an Bedeutung. So etwa das Recht auf Wasser, Nahrung, Arbeit, Bildung, Gesundheitsversorgung oder angemessene Unterkunft. Ob Indigene sich gegen den giftigen Abbau von Gold und Silber zur Wehr setzen, Slumbewohner gegen ihre Zwangsräumung kämpfen oder Kleinbauern die Patentierung von Saatgut verhindern wollen – sie alle beziehen sich mittlerweile auf diese Garantien, die von den Vereinten Nationen 1966 im Sozialpakt festgeschrieben und später in zahlreichen UN-Konventionen spezifiziert wurden.

Eine Rezension in der Luxemburger Wochenzeitung woxx vom 17. Oktober 2013

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Falsche Freunde

Ein Kommentar über die fragwürdigen Koalitionen des venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez. was verbindet antiimperialistische Politiker Lateinamerikas mit Irans Staatschef Ahmadineschad, der Hamas und der Hizbollah?

taz vom 26. Juli 2009

Was universal ist kann nicht relativ sein

Ist der Kampf gegen patriarchale Gewalt rechts oder rassistisch, wenn er sich gegen die Tradition nichteuropäischer Kulturen richtet? Geht Religionsfreiheit zusammen mit radikaler Religionskritik? Und wer verteidigt dann eigentlich das Menschenrecht? In der Debatte um die multikulturelle Gesellschaft scheint keine Zuschreibung mehr zu taugen. Die Psychologieprofessorin Birgit Rommelspacher bemängelte in der taz, dass die „selbstverständliche Affirmität zwischen Linken und Feministinnen“ verloren gegangen sei, der Publizist Henryk M. Broder kam angesichts von gewalttätigen Angriffen auf Islamkritiker zu dem frustrierenden Schluss: „Toleranz hilft nur den Rücksichtslosen.“

Eine Rezenion von Imke Leichts Buch „Multikulturalismus auf dem Prüfstand“ in der taz vom 24. Juli 2010 „Was universal ist kann nicht relativ sein“ weiterlesen