Die Not als Waffe

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Wenn es um den Zustand seines Landes geht, lässt Nicolás Maduros keine Zweifel aufkommen. »Die humanitäre Krise in Venezuela ist eine Farce«, behauptete Venezuelas Präsident jüngst in der mexikanischen Tageszeitung La Jornada. Diese Krise gebe es nicht, beteuerte er und sprach von hohen Beschäftigungsraten, vom Ernährungsprogramm Clap und von 30 000 Ärzten, die in Gemeinden tätig seien.

Kein Wort verlor er über Zigtausende Unterernährte und 2,3 Millionen Geflüchtete oder darüber, dass chronisch Kranke ihre Medikamente im Nachbarland Kolumbien kaufen müssen; und auch kein Wort darüber, dass die Clap-Lebensmittelpakete häufig nicht ankommen und ohnehin nicht zum Überleben ausreichen. Nein, alles laufe gut im Land der bolivarianischen Revolution, mit der sein Vorgänger Hugo Chávez eine gerechtere ­Gesellschaft erschaffen wollte. Das ­Krisengerede sei nichts als ein Täuschungsmanöver der USA, behauptet der Präsident.

Jungle World, 14. Februar 2019

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Verzweifelte Lage

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Keine Schmerzmittel, keine Blutkonserven, keine Medikamente für die Chemotherapie – jeden Tag, an dem er zur Arbeit geht, erhält Gabriel Romero von seinen Kollegen die gleichen Antworten: „Haben wir nicht“, „Ist gerade nicht vorrätig“, „Gibt es nicht.“

In der Krebsklinik Luis Razetti fehlt es an allem. „Wie soll ich unter solchen Umständen noch Patienten behandeln?“, fragt sich der Arzt. Gestern etwa habe er stundenlang auf sterile Handschuhe für Operationen gewartet. „Wir konnten deshalb nur drei anstatt zehn Personen operieren“, erzählt der Onkologe, während er durch die langen Flure des Krankenhauses läuft.

Hunderte Patienten kommen jeden Tag in die in Caracas gelegene Klinik. Dutzende Männer und Frauen sitzen in den Gängen und blicken den Doktor hoffnungsvoll an. Kann er ihre Krankheit heilen? Kann er zumindest ihr Leiden lindern?

woxx, 2. November 2017

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Hunger als Waffe

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Die Regierungspolitik in Venezuela spaltet die Gesellschaft zunehmend. Das zerstört auch das soziale Netz im Armenviertel La Vega am Rand der Hauptstadt Caracas, erklärt Jesuit Infante, der sich um soziale Projekte kümmert. Etwa mit der Lebensmittelzuteilung übe das Regime soziale Kontrolle aus.

Mittagspause in der Schule der Kirchengemeinde San Alberto Hurtado. Höchste Zeit für eine Mahlzeit. Etwa zwei Dutzend Jungen und Mädchen drängeln sich um einen langen Tisch. Ungeduldig warten sie auf das Essen.

Für einige von ihnen ist der Teller mit Bohnen, Reis und Kochbananen das einzige, was sie an diesem Tag zu sich nehmen. Denn im Armenviertel La Vega am Rande der venezolanischen Hauptstadt Caracas fehlt es an allem. Die Ladenregale sind leer, Grundnahrungsmittel sind nur für teures Geld auf dem Schwarzmarkt erhältlich. Pfarrer Alberto Infante spricht von einer humanitären Krise.

Deutschlandfunk Kultur, 24. September 2017

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