Atemberaubendes Gedränge

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Was bleibt, ist ein gemeinsames Bier. Ein „duales Bier“, hergestellt von sechs Braumeistern. Drei Mexikanern, drei Deutschen. Denn Bier, so steht es auf der Flasche, ist immer Gesprächsthema zwischen Menschen der beiden Nationalitäten.

Für Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto bietet die Hopfenfusion einen guten Anlass, um mit Kanzlerin Angela Merkel auf ein erfolgreiches Projekt anzustoßen: auf das „Año Dual“, das „Duale Jahr“, ein kulturelles Austauschprogramm mit zahlreichen Konzerten, Filmaufführungen und weiteren Events, das die beiden an diesem Abend offiziell beenden.

Also wird beim Abendessen im Nationalpalast von Mexiko-Stadt nicht Wein, wie sonst bei Staatsbesuchen üblich, sondern ebendieses binational gebraute Bier ausgeschenkt. Es soll eine großartige gemeinsame Zukunft der beiden Staaten symbolisieren, eine Zukunft, die mit dem Mexiko-Besuch Merkels am Wochenende und dem Dualen Jahr besiegelt zu sein scheint.

taz, 11. Juni 2017

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Brücken bauen statt Mauern

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OAXACA taz | Günstiger geht’s nicht: Bereits zwei Jahre bevor im mexikanischen Bundesstaat San Luis Potosí der erste BMW der 3er-Reihe vom Band laufen soll, haben sich die deutschen Autobauer mit der Gewerkschaft CTM auf die Löhne geeinigt. Anfänger sollen 1 Euro pro Stunde erhalten, der Spitzenverdienst am Band wird bei 2,30 Euro liegen.

Damit garantiert die der regierenden Partei PRI nahestehende Gewerkschaft die „günstigen Investitionsbedingungen“, mit denen das Land wirbt. Auch Audi und Mercedes wollen davon profitieren und lassen sich derzeit mit großen Werken in Mexiko nieder. 2,40 Euro pro Stunde werden sie künftig ihren Bandarbeitern zahlen müssen – ein Bruchteil der deutschen Löhne. Mexiko bietet damit die niedrigsten Produktionskosten aller Staaten, die große Fahrzeuge bauen.

taz, 19. Mai 2017

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El Chapo macht den Anfang

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Die Worte des mexikanischen Präsidenten klangen entschlossen. »Natürlich zahlt Mexiko die Mauer nicht«, sagte Enrique Peña Nieto. Natürlich nicht. Warum sollte ein souveräner Staat ein Bauwerk finanzieren, das ­einzig der protektionistischen und rassistischen Gedankenwelt eines Staatschefs des Nachbarlandes entsprungen ist? Wer sollte Mexiko dazu zwingen? Welches internationale Gericht würde den neuen US-Präsidenten Donald Trump dazu legitimieren, das Geld einzutreiben?

Jungle World, 26. Januar 2017

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Der ewige Verlierer wehrt sich

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BERLIN taz | Fährt er nach Washington – oder nicht? Nichts beschäftigt Mexiko derzeit mehr als die Frage, ob sich Präsident Enrique Peña Nieto kommende Woche mit Donald Trump treffen soll. Nachdem der am Mittwoch sein Dekret für den Bau einer Mauer zwischen beiden Staaten unterzeichnete, sprachen sich Mexikaner aller Couleur gegen Gespräche mit dem neuen US-Präsidenten aus. Nieto sagte seinen Besuch schließlich am Donnerstagabend ab.

Nach den „fürchterlich feindschaftlichen“ Signalen Trumps existierten keine Voraussetzungen, um wie geplant am 31. Januar mit dem US-Präsidenten über den Freihandel, die Migration und die Behandlung von Mexikanerinnen und Mexikanern zu sprechen, so der Abgeordnete und Exsenatsvorsitzende Robert Gil Zuarth von der konservativen Partei PAN. Peña Nieto habe die volle Unterstützung der Länderkammer, wenn er seine Reise absage.

taz, 27. Januar 2017

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Der unberechenbare Nachbar

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Eine »lange schöne Mauer«? Millionen von Ausweisungen? Das Ende des Nord­amerikanischen Freihandelsabkommens (Nafta)? Was Mexiko tatsächlich bevorsteht, wenn Donald Trump ins Weiße Haus einzieht, ist noch nicht ausgemacht. Welche Grenzsicherungsanlagen tatsächlich errichtet werden, ist ungewiss, Fragen des freien Warenverkehrs will der künftige US-Präsident wahrscheinlich nachverhandeln. Sollte er wirklich drei Millionen Mexikanerinnen und Mexikaner ohne ­Papiere, die ihm »kriminell« erscheinen, des Landes verweisen, würde er nur mit seinem Vorgänger gleichziehen – genau so viele Menschen mexikanischer Herkunft wurden während der Präsidentschaft von Barack Obama ausgewiesen.

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Blankes Entsetzen

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BERLIN taz | Die große Party fiel aus. Mehrere Tausend Menschen wollten in der Wahlnacht am „Engel“, der Unabhängigkeitsstatue im Herzen von Mexiko-Stadt, die Niederlage des US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump feiern. Doch dann kam nur eine Journalistin, die die Organisatoren auf Twitter verzweifelt anfragte: „Wo seid ihr?“ Wie die meisten Mexikanerinnen und Mexikaner hatte die Reporterin offensichtlich ganz selbstverständlich auf einen Sieg Hillary Clintons gesetzt. Die linke Tageszeitung La Jornada titelte in ihrer Printausgabe noch: „In wenigen Stunden ist der Sieg Hillarys eine Tatsache.“

taz, 10. November 2016

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