Atemberaubendes Gedränge

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Was bleibt, ist ein gemeinsames Bier. Ein „duales Bier“, hergestellt von sechs Braumeistern. Drei Mexikanern, drei Deutschen. Denn Bier, so steht es auf der Flasche, ist immer Gesprächsthema zwischen Menschen der beiden Nationalitäten.

Für Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto bietet die Hopfenfusion einen guten Anlass, um mit Kanzlerin Angela Merkel auf ein erfolgreiches Projekt anzustoßen: auf das „Año Dual“, das „Duale Jahr“, ein kulturelles Austauschprogramm mit zahlreichen Konzerten, Filmaufführungen und weiteren Events, das die beiden an diesem Abend offiziell beenden.

Also wird beim Abendessen im Nationalpalast von Mexiko-Stadt nicht Wein, wie sonst bei Staatsbesuchen üblich, sondern ebendieses binational gebraute Bier ausgeschenkt. Es soll eine großartige gemeinsame Zukunft der beiden Staaten symbolisieren, eine Zukunft, die mit dem Mexiko-Besuch Merkels am Wochenende und dem Dualen Jahr besiegelt zu sein scheint.

taz, 11. Juni 2017

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Der unberechenbare Nachbar

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Eine »lange schöne Mauer«? Millionen von Ausweisungen? Das Ende des Nord­amerikanischen Freihandelsabkommens (Nafta)? Was Mexiko tatsächlich bevorsteht, wenn Donald Trump ins Weiße Haus einzieht, ist noch nicht ausgemacht. Welche Grenzsicherungsanlagen tatsächlich errichtet werden, ist ungewiss, Fragen des freien Warenverkehrs will der künftige US-Präsident wahrscheinlich nachverhandeln. Sollte er wirklich drei Millionen Mexikanerinnen und Mexikaner ohne ­Papiere, die ihm »kriminell« erscheinen, des Landes verweisen, würde er nur mit seinem Vorgänger gleichziehen – genau so viele Menschen mexikanischer Herkunft wurden während der Präsidentschaft von Barack Obama ausgewiesen.

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Jeder ist ersetzbar

220px-Presidente_Enrique_Peña_Nieto._Fotografía_oficialFür Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto ist die Verhaftung des Drogenbarons El Chapo Guzmán ein großer Erfolg zur richtigen Zeit. Denn die Flucht des Mafiabosses im Juni 2015 wie auch die Verschleppung von 43 Studenten zehn Monate zuvor versetzten dem Staatschef herbe Schläge.

Beides brachte die mexikanischen Verhältnisse unverblümt auf den Punkt: Ohne die Kooperation von Polizisten, Politikern und Kriminellen wäre der Angriff auf die 43 Lehramtsanwärter ebenso wenig möglich gewesen wie El Chapos Spaziergang aus dem Hochsicherheitsgefängnis. Peña Nieto brauchte diese Verhaftung, um international glaubhaft zu machen, man habe die Kartelle im Griff.

taz, 11. Januar 2016

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