Jagdsaison auf Journalisten

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MEXIKO-STADT taz | 27 Jahre lang berichtete sie über lokale Ereignisse, kritisierte Politiker und deckte Skandale auf. Doch seit dem vergangenen Wochenende ist damit Schluss: Am 2. April hat die mexikanische Tageszeitung Norte de Ciudad Juárez ihr Erscheinen eingestellt.

„Es gibt keine Garantien und keine Sicherheit für einen kritischen und ausgewogenen Journalismus“, schrieb der Eigentümer des Blattes Oscar A. Cantú Murguía auf der Titelseite der letzten Ausgabe. Er sei nicht bereit, das Leben weiterer Mitarbeiter sowie sein eigenes zu riskieren, stellte er in dem Abschiedsschreiben klar.

taz, 7. April 2017

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Der Hässliche, der Kahle und der Affe

Am Sonntag traf es „Betty, die Hässliche“, die eigentlich ein Er ist, und zwar der „Boss des mächtigen Juárez-Kartells Alberto Carrillo Fuentes“, wie alle Agenturen wissen, und dessen längst verstorbener Bruder, der „Herr der Himmel“, die Mafiaorganisation aus dem mexikanischen Norden einst gegründet hat. Jüngst ging den Fahndern „der Kahlköpfige“ von den Zetas ins Netz, deren Ex-Chef „Henker“ wurde von Polizisten erschossen und der „Affe“ von der Kriminellentruppe „Familia Michoacana“ sitzt längst im Knast.

Es sind Mexikos Killer selbst, die den Medien mit ihren merkwürdigen Kosenamen den Stoff für prägnante Schlagzeilen liefern. Jeder Schlag ein Treffer. Was folgt, sind Aufzählungen, die bestätigen, welch großartigen Erfolg, sprich welch „schweren Schlag gegen die organisierte Kriminalität“ den Soldaten oder Polizisten wieder gelungen sei.

Kommentar auf taz.de vom 2. September 2013

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