Spuren der Erinnerung

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Huellas de la Memoria – Ausstellung in Berlin. Foto: Jessica Zeller

Spuren der Erinnerung – das ist eine Ausstellung, die gerade in Berlin zu sehen ist. Im Fokus: Die mexikanischen Verschwundenen und die Suche ihrer Angehörigen. Mindestens 32.000 Menschen gelten seit 2007 als vermisst. Die einen werden von Kriminellen verschleppt, andere verschwinden, während sie sich in den Händen von Polizisten oder Soldaten befinden. Seit Jahren suchen die Angehörigen nach ihren Söhnen, Töchtern oder Geschwistern und fordern Aufklärung. Der mexikanische Bildhauer Alfredo Lopez und sein Künstlerkollektiv machen nun mit einer ungewöhnlichen Ausstellungen auf die Verschwundenen und den Kampf der Angehörigen aufmerksam.

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Der Jahrmarkt des Todes

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Foto: Markus Bickel

Das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri teilte in dieser Woche mit, dass derzeit so viele Waffen verkauft werden wie seit dem Ende des Kalten Krieges nicht mehr. Sturmgewehre, Panzer, Kriegsschiffe: noch bis Freitag stellen Unternehmen aus aller Welt in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate ihre Waren zur Schau. Unweit der Kriegsschauplätze Syrien, Libyen und dem Jemen gelegen verspricht die Waffenmesse IDEX in Abu Dhabi hohe Umsätze. Ich habe mich in den Messehallen umgeschaut:

DeutschlandRadio, 22. Februar 2017

Von der Gelähmten zur Profitänzerin

koeln-7Draußen ist endlich der Frühling angekommen, doch den Tänzerinnen und Tänzer bleibt keine Zeit für Kaffeepausen unter den Bäumen auf dem Gelände der Kölner Wachsfabrik. Nur wenige Tage fehlen bis zur Premiere von „UpDATING YOU“, und noch immer stimmen einige Schritte nicht. Yanel Barbeito springt auf die Bühne und tanzt mit einem jungen Mann im Rollstuhl. Sechs Stunden Probe am Tag, eine unglaubliche Anstrengung für eine Frau, die ihre Arme und Beine nur eingeschränkt bewegen kann. Trotzdem ist die Kubanerin glücklich. Denn mit der DINA13-Tanzcompany macht die 44jährige völlig neue Erfahrungen.

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DeutschlandRadio, 13. Mai 2016

Von Oberndorf nach Iguala

DSC_0902-ISechs Tote und 43 Verschwundene: Der Angriff auf Studenten im südmexikanischen Bundesstaat Guerrero im September 2014 machte die kriminelle Verflechtung von Politikern, Polizisten und Verbrechern international sichtbar. Eine ganz eigene Spur führte nach Deutschland: Bei dem Massaker waren G36-Sturmgewehre der Rüstungsschmiede Heckler&Koch im Einsatz, die nie in diese Region hätten gelangen dürfen. Bereits 2010 hatte der Aktivist Jürgen Grässlin wegen der illegalen Exporte Anzeige erstattet. Über fünf Jahre später reagierte die Staatsanwaltschaft: Vergangenen November erhob sie Anklage gegen ehemalige Angestellte der Schwarzwälder Firma. Nun muss das Landgericht Stuttgart darüber entscheiden, ob und wann der Prozess eröffnet wird. Doch geht es nach dem Willen von Aktivistinnen und Anwälten, müssten weitere Verantwortliche auf der Anklagebank sitzen. Und auch die Opfer sollten am Verfahren teilnehmen.

Ein Radiobeitrag für den Nachrichtenpool Lateinamerika, 23. März 2016

Mexiko außer Kontrolle: Wo kriminelle Kartelle das Land regieren

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Ayotzinapa: Ich bin langsam, aber schonungslos – die Gerechtigkeit. Foto Kristin Gebhardt

Entführungen, Erpressungen, Morde – seit Jahren fordert der mexikanische Drogenkrieg seine Opfer. Über 100.000 Menschen sind seit 2006 gestorben, mindestens 25.000 wurden verschleppt.

Häufig können die Verbrecher auf den Schutz staatlicher Vertreter bauen – in vielen Gemeinden stehen die Bürgermeister auf den Gehaltslisten der Kartelle, lokale Polizisten und andere Beamte arbeiten oft direkt für die Mafia. Längst hat die Bundesregierung in einigen Regionen die Kontrolle verloren. Kritiker werfen ihr vor, nicht konsequent gegen Korruption und Menschenrechtsverletzungen vorzugehen.

Die Menschen versuchen indes, sich selbst zu helfen und organisieren sich in Bürgerwehren. Und sie machen sich selbst auf die Suche, um nach ihren verschwundenen Angehörigen zu suchen.

Radiobeitrag für den ORF, Journal Panorama, 11. Februar 2016,

 

Ohne Landreform kein Frieden

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Padre Echeverrí. Foto: adveniat

In diesem Jahr stellt die bischöfliche Aktion Adveniat die Menschenrechtsarbeit der katholischen Kirche in Lateinamerika in den Mittelpunkt. Einer, der vor Ort für Gerechtigkeit und Versöhnung kämpft, ist der kolumbianische Pfarrer Darío Echeverrí. Er vertritt bei den Verhandlungen für einen Friedensvertrag zwischen Regierung und Guerilla-Organisation FARC die Opfer des Bürgerkrieges.

Es war ein entscheidender Tag für die Zukunft Kolumbiens: Am 23. September verkündeten Vertreter der Regierung und der FARC-Guerrilla im kubanischen Havanna einen endgültigen Fahrplan für einen Friedensvertrag. Drei Jahre hatten sie bereits verhandelt, doch nun konnten sie sich an einem zentralen Punkt verständigen: Man einigte sich auf eine künftige Übergangsjustiz. Also darauf, wie das Land mit den unzähligen Menschenrechtsverletzungen umgehen soll, die Soldaten und Guerrilleros in dem über 50 Jahre andauernden Bürgerkrieg verübt haben. Für Padre Darío Echeverrí war diese Einigung ein besonders großer Erfolg:

DeutschlandRadio, 20. Dezember 2015

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Traurige Suche nach Gewissheit

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„Ich suche dich, bis ich dich gefunden habe“. Mario Vergara

Ast für Ast kämpft sich Mario Vergara durch das dornige Gestrüpp. Hier in den Bergen rund um die Stadt Iguala müssen die Kriminellen seinen Bruder Tomás verscharrt haben. Vor drei Jahren wurde er entführt, seither fehlt jede Spur. Nun hat sich Vergara selbst auf die Suche gemacht.

Gemeinsam mit anderen, die ihre Angehörigen vermissen, durchkämmt der 40-jährige Mexikaner das Gelände. Doch zwischen all dem Unkraut und den vertrockneten Büschen fällt es schwer, die Erdlöcher zu finden, in denen die Mörder ihre Opfer verschwinden ließen.

„Wir suchen nach Anzeichen dafür, dass die Erde bewegt wurde. Man erkennt das zum Beispiel, wenn die Steine etwas tiefer liegen.“

Vergara entdeckt eine leichte Absenkung, auf der die Erde locker aufliegt. Hier müsse etwas sein, sagt er. Dann nimmt er eine Eisenstange, treibt sie mit kräftigen Hammerschlägen in den Boden und zieht sie wieder heraus. Riecht es nach verfaultem Fleisch, liegt hier ein Toter.

Deutschlandradio, 20. September 2015

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