Pures Leben

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Foto: © photodiscoveries – Flickr Creative Commons

Für die spanischen Eroberer war es die „reiche Küste“, heute gilt das tropische Paradies zwischen Karibik und Pazifik als die „Schweiz Mittelamerikas“. Zu Recht, denn Costa Rica hat einiges zu bieten: rund 900 Vogelarten, Raubkatzen, exotische Pflanzen und grüne Berge, auf denen – wie bei den Eidgenossen – glückliche Kühe grasen.

Die ökologische Vielfalt ist einmalig: Fünf Prozent der weltweiten Biodiversität befindet sich in dem Land, das im Süden an Panama und im Norden an Nicaragua grenzt. Regenwälder und vulkanische Bergketten wechseln sich ab mit subtropischen Trockensavannen und Mangrovensümpfen. Wer morgens in den Nebelwäldern des kühlen Hochlands wandert, kann den Nachmittag an Traumstränden mit Affen, Leguanen und Faultieren verbringen.

Süddeutsche Zeitung, 24. Oktober 2018

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„Wir machen das für unseren Sohn“

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Sollten sie sich auf den Deal einlassen? „Überlegt euch das gut, die Regierung hat ihre Versprechen oft nicht eingehalten“, dröhnt die Stimme von Irineo Mujíca durchs Megafon. Fast alle, die dem Aktivisten in der südmexikanischen Stadt Arriaga zuhören, lehnen ab. Nein, sie wollen nicht in den Bundesstaaten Oaxaca und Chiapas bleiben. Und nein, sie verlassen sich nicht darauf, dass die Behörden ihnen dort Arbeit sowie Krankenversorgung bieten und ihre Kinder zur Schule gehen können.

Das hatte Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto angeboten, wenn sie nicht weiter Richtung Norden marschieren. Aber unter den Migranten, die sich auf dem zentralen Platz von Arriaga versammelt haben, dominiert das Misstrauen. „Also geht es morgen früh um drei Uhr weiter“, ruft Mujica von der Unterstützergruppe „Pueblo Sin Fronteras“ (Volk ohne Grenzen) und erntet dafür großen Beifall.

woxx, 31. Oktober 2018

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„Wir laufen bis zur US-Grenze“

frau unter zeltdachDie Sonne drückt, es ist unerträglich schwül. Wer nicht muss, läuft keinen Meter außerhalb der Zeltdächer, die ein wenig Schutz vor der tropischen Sonne bieten sollen. “Trinkt genug Wasser und bleibt im Schatten“, dröhnt die Stimme von Pfarrer Samuel Rosco aus den Lautsprechern.

Der Geistliche steht auf der Bühne, warnt vor Hitzschlägen und gibt über Mikrofon die wichtigsten Informationen weiter. Neben ihm verteilen Frauen Medikamente, einige Sanitäter drängen sich durch die Menschenmenge, dortin, wo gerade jemand nach einem Arzt gerufen hat. Immer wieder kollabiert jemand wegen der Hitze, mehrere Rettungswagen stehen bereit.

taz, 24. Okober 2018

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Nicaraguas falsche Freunde

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Erinnern Sie sich noch an Max Blumenthal? Er war einer von zwei Journalisten, die vor vier Jahren Gregor Gysi im Bundestag bedrängt und bis zur Toilette verfolgt hatten. Sie wollten den Linken-Politiker zur Rede stellen, weil er untersagt hatte, dass die israelkritischen Publizisten im Namen seiner Fraktion in deren Sitzungssaal und der Berliner Volksbühne sprechen. Am 9. November, dem Jahrestag der Pogromnacht von 1938, wollten beide dort für den Boykott Israels werben.

taz, 18. Oktober 2018

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Der Bruder, der verstehen will

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Aldo Gutiérrez, vor dem Angriff. Foto: Privat

Manchmal reagiert Aldo. Wenn sein großer Bruder ihn anspricht, bewegt er die Augen oder ballt die Hände vorsichtig zu einer Faust. Es sind die Momente, in denen Leonel Gutiérrez spürt, dass Aldo ihn wahrnimmt. „Er sieht und spricht nicht, aber er kann uns hören“, sagt Gutiérrez. Dann massiert der Mexikaner seinem Bruder die Beine oder sorgt dafür, dass die Kanülen richtig sitzen. Alle zwei, drei Stunden dreht er Aldos Körper, damit keine Druckstellen entstehen. Immer wieder putzt er ihm die Spucke vom Mund. „Unser einziger Trost ist, dass er selbstständig atmet.“

Leonel Gutiérrez bleibt sachlich, wenn er erzählt, wie er seinen Bruder pflegt. Tag für Tag verbringen er und andere Familienmitglieder in der Rehabilitationsklinik INR im Süden von Mexiko-Stadt. Seit dem 26. September 2014 vergeht keine Stunde, in der sie sich nicht um Aldo kümmern. An diesem Tag wurde der damals 19-Jährige Opfer eines brutalen Angriffs – und seitdem liegt er im Wachkoma.

Polizisten und Kriminelle gingen in der südmexikanischen Stadt Iguala bewaffnet gegen Studenten der pädagogischen Landschule Ayotzinapa vor. Sechs Menschen starben, 43 sind bis heute verschwunden. Aldo Gutiérrez blieb schwer verletzt am Boden liegen. „Sie haben ihm direkt in den Kopf geschossen“, sagt sein Bruder. „Die Kugel hat den Schädel durchdrungen und die Hälfte des Gehirns zerstört.“

taz, 26. September 2018

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Der Kampf hat erst begonnen

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Raul Zamora hatte nicht damit gerechnet, dass er diese Nacht überlebt. Die Angreifer schossen unentwegt, 16 Stunden lang. „Nur wenn sie nachladen mussten, war für einen kurzen Moment Pause“, erzählt der Pfarrer. Zahlreiche Einschusslöcher an der Außenwand seiner Kirche in Nicaraguas Hauptstadt Managua erinnern an die beiden Tage im Juli. Maskierte Paramilitärs hatten das Gebäude angegriffen, nachdem etwa 150 Studentinnen und Studenten der benachbarten Universität dort Schutz gesucht hatten. Polizisten sperrten die Straße ab, damit die Vermummten ungestört agieren konnten.

Am frühen Morgen hatten Polizeibeamte und bewaffnete Schlägertrupps der Regierung  die Nationale Autonome Universität von Nicaragua gestürmt und damit der Besetzung der Hochschule ein Ende bereitet. Das Uni-Gelände war wieder unter Kontrolle des Regimes. „Wir dachten, die Lage würde sich entspannen“, sagt Pfarrer Zamora. Doch die Angreifer verfolgten die jungen Männer und Frauen bis in die Kirche. „Da wurde mir klar, dass sie die Studenten nicht nur räumen, sondern vernichten wollten“, sagt der Geistliche.

Welt-Sichten, September 2018

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Ein Gewehr geht um die Welt

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Leonel Gutierrez, Bruder des schwer verletzten Aldo

Iguala am 26. September 2014: Schüsse fallen, Sirenen heulen, Blaulichter durchdringen die Nacht. Junge Männer rennen durch die Straßen der südmexikanischen Provinzstadt, verfolgt von Polizisten und Kriminellen. Plötzlich fällt Aldo Gutiérrez auf den Boden, regungslos bleibt er im Regen liegen. „Wir dachten, er sei tot“, erinnert sich ein Freund, der in diesem Moment neben ihm steht. „Dann sahen wir, dass Aldo sich bewegte und Blut spuckte.“ Eine halbe Stunde später bringt ein Rettungswagen den Studentenins Krankenhaus. Der damals 19-Jährige überlebt – und liegt seither im Wachkoma.

Stuttgarter Zeitung, 25. September 2018

 

Ein Meister aus Deutschland

Demonstration der Angehoerigen in Chilpancingo Hauptstadt von Guerrero - II Foto - diwa-film
Foto: diwa-film

Das Onda-Info des Nachrichtenpools Lateinamerika (NPLA) beschäftigt sich ausführlich mit dem illegalen Export deutscher Waffen nach Mexiko. In diesen Tagen jährt sich zum vierten Mal ein brutaler Angriff in der südmexikanischen Stadt Iguala. Sechs Menschen wurden damals von Polizisten und Killern der Mafia ermordet, 43 Lehramtsstudenten der Ayotzinapa-Universität sind bis heute verschwunden. Mehrere der Beamten trugen Sturmgewehre der Oberndorfer Firma Heckler&Koch – Waffen, die nie in diese Region hätten gelangen dürfen, weil die deutschen Behörden den Export dorthin nicht genehmigt hatten.

Fünf ehemalige Mitarbeiter der Rüstungsfirma stehen deshalb seit Mai dieses Jahres vor dem Landgericht Stuttgart. Seither wird dort über Endverbleibskontrollen, Verträge und andere bürokratische Abläufe gesprochen. Kein Wort verlieren die Beteiligten über die mörderischen Konsequenzen solcher Geschäfte: über die Menschen, die mit den Gewehren getötet oder schwer verletzt wurden. Oder über die Angehörigen der Opfer, die mit dieser schweren Bürde leben müssen.

Am 26. September, dem Jahrestag des Verbrechens, besucht der Mexikaner Leonel Gutiérrez den Stuttgarter Prozess. Leonel ist der Bruder von Aldo Gutiérrez, der in jener Nacht schwer verletzt wurde. Wir haben Leonel in Mexiko-Stadt getroffen. Zudem haben wir mit dem Rechtsanwalt Holger Rothbauer gesprochen. Er hatte mit dem Friedensaktivisten Jürgen Grässlin Anzeige gegen Heckler&Koch gestellt.

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Kirche im Fadenkreuz des Präsidenten

Kirche mit Einschussloechern

Im Machtkampf mit der Opposition hat Nicaraguas Präsident Daniel Ortega die katholische Kirche zum „Staatsfeind“ erklärt. Geistliche geraten daher ins Visier von Polizei und Paramilitärs. In Kirchen Schutz suchende Oppositionelle wurden getötet.

Morgenmesse in der Kirche Jesús de la Divina Misericordia: Einige Ventilatoren vertreiben die tropische Hitze, von draußen dringt der Lärm des Berufsverkehrs in das katholische Gotteshaus. Etwa 40 Menschen sind gekommen, um der Andacht von Pfarrer Raul Zamora beizuwohnen. An einer Wand des Kirchenschiffes stehen Leitern und Eimer. Kaum ist die Messe vorbei, machen sich Handwerker an die Arbeit. Denn noch immer zeugen Risse im Verputz und kaputte Leuchter von jenen Stunden im Juli, in denen die Kirche bewaffnet angegriffen wurde.

Deutschlandfunk Kultur, 16. September 2018

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Ortega schlägt zu

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Wer in diesen Tagen in Nicaragua oppositionelle Studenten und andere Aktivistinnen treffen will, verbringt viel Zeit in Cafés, Hinterzimmern von Restaurants und Einkaufszentren. Kaum jemand lebt zuhause, viele wollen sich nicht unnötig in der Öffentlichkeit zeigen, die großen Universitäten sind geschlossen. Doch dieses Mal ist das Warten umsonst. „Ich kann aus Sicherheitsgründen nicht kommen“, schreibt Edwin, den alle unter dem Namen „El Sombrerito“ kennen. „Ein Auto mit zwei seltsamen Personen verfolgt mich.“

Der Zeitpunkt für das Gespräch ist ungünstig. Es ist der 22. August. Unweit unseres vereinbarten Treffpunkts im Zentrum Managuas sind Anhänger der regierenden Sandinistischen Befreiungsfront (FSLN) auf den Straßen. Mit den schwarz-roten Fahnen der Partei ziehen sie durch die Innenstadt. Regierungschef Daniel Ortega hat zur Kundgebung aufgerufen, um den 40. Jahrestag der Besetzung des Nationalpalasts zu feiern, mit der die Sandinisten den Sieg gegen das Regime des Diktators Anastasio Somoza einläuteten. Ein gefährlicher Moment für einen bekannten Studenten wie Edwin.

taz, 27. August 2018

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