Die Armut kehrt zurück

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Wasser ist Mangelware, mit der Brause sieht es besser aus. Foto: Franziska Bruder

Die einen reden vom Wirtschaftskrieg, die anderen von einer verfehlten Ökonomie: Seit in Venezuela die Lebensmittel immer knapper werden und die Inflation ins Unermessliche steigt, eskaliert die Lage zunehmend. Die Linksregierung macht die USA und die heimische Oligarchie für die Krise verantwortlich, Oppositionelle wollen Präsident Nicolás Maduro mit einem Referendum stürzen.

Was steckt hinter dem Kollaps eines Sozialsystems, das von der UNO noch vor drei Jahren für die erfolgreiche Bekämpfung des Hungers gelobt wurde? Eines ist offensichtlich: Venezuela leidet unter einer Wirtschaft, die auf Sand gebaut war. Der niedrige Erdölpreis, massive Korruption und eine zunehmende Militarisierung könnten dazu führen, dass das Land einen Gewaltausbruch erlebt.

Ein Radiofeature für das

Journal Panorama / ORF vom 14. September 2016

Es fehlt an fast allem

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Heldenverehrung im Barrio 23 de Enero: der kolumbianische Guerillero „Tirofijo“. Foto: Franziska Bruder

Den Anfang machten die Damen in Weiß. Etwa 500 Frauen stürmten am 5. Juli über die Simón-Bolívar-Brücke von San Antonio del Táchira, die sie von Reis, Maismehl und Toilettenpapier trennte. Eine Woche später waren es bereits 35.000 Venezolanerinnen und Venezolaner, die auf diesem Weg nach Kolumbien reisten, um sich mit Nahrungsmitteln und anderen Waren einzudecken. Weitere sieben Tage später zogen 100.000 Menschen durch die Supermärkte der kolumbianischen Grenzstädte Cúcuta und La Parada.

Für teures Geld kauften sie dort, was in den Regalen von Caracas oder San Cristóbal nicht mehr zu finden ist: Zucker, Bohnen, Medizin, Damenbinden. „Wenn sie morgen wieder aufmachen, komme ich sofort zurück und gebe mein ganzes Geld aus. In Venezuela gibt es sowieso nichts“, sagte eine der Einkäuferinnen.

Nach dem ersten, widerrechtlichen Ansturm hatte selbst Venezuelas Präsident Nicolás Maduro grünes Licht gegeben. Für jeweils einen Tag ließ er die Pforten öffnen. Denn auch für ihn ist klar, dass die Zeichen auf Sturm stehen. Weniger wegen ein paar hundert oppositionellen Damen, die sich in Anlehnung an kubanische Aktivistinnen gerne in weißen T-Shirts in Szene setzen. Dass der Einkaufs-Run auf das Nachbarland jedoch Massencharakter bekommen hat, zwingt den Präsidenten der bolivarianischen Linksregierung zu neuen, geradezu moderaten Schritten.

Neues Deutschland, 8. August 2016

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Polizeichef gefeuert

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Wenige Tage nach der Veröffentlichung eines kritischen Berichts der mexikanischen staatlichen Menschenrechtskommission (CNDH) über einen Einsatz von Sicherheitskräften musste der Chef der Bundespolizei Enrique Galindo am Montag seinen Hut nehmen. Die Kündigung solle „agile und transparente Ermittlungen“ in dem Fall ermöglichen, erklärt Innenminister Miguel Osorio Chong.

taz, 30. August 2017

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In Freiheit, nicht in Sicherheit

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Lost in Caracas. Foto: Franziska Bruder

BERLIN taz | Über zwei Jahre nach seiner Verhaftung in Venezuela ist der deutsche Linke Bernhard Heidbreder wieder auf freiem Fuß. Vor wenigen Tagen wurde er aus der Haft entlassen. „Ich bin sehr froh, dass das jetzt endlich vorbei ist“, sagte er der taz. Nun hoffe er darauf, in Vene­zue­la bleiben zu können. Er hat dort politisches Asyl beantragt. Bis zur Entscheidung über seinen Aufenthaltsstatus darf der 55-Jährige, der vor seiner Festnahme mit seiner Frau in der Stadt Mérida gelebt hatte, Caracas nicht verlassen.

taz, 01. August 2016

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Venezuela: Der Hunger kehrt zurück

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Die Zahlen in Venezuela klangen vielversprechend: Das Land habe die Unterernährung auf unter fünf Prozent gesenkt, lobte die FAO, die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen die Linksregierung in dem südamerikanischen Land. Von großen Erfolgen im Kampf gegen den Hunger war die Rede. Doch drei Jahre später steckt Venezuela in einer schweren Versorgungskrise, es mangelt an Grundnahrungsmitteln wie Bohnen, Reis oder Zucker. Die Bevölkerung bekommt nun die Folgen einer Sozialpolitik zu spüren, die auf Sand gebaut war: Einzig der hohe Erdölpreis garantierte günstige Lebensmittel und eine gute medizinische Versorgung. Ein nachhaltiges Konzept zur Überwindung von Armut und Hunger konnte die bolivarianische Bewegung des Kommandanten Hugo Chávez nicht entwickeln. Über die Frage, wie die Krise zu beenden sei, ist das Land gespalten.

Radiobeitrag auf der Lateinamerika-Plattform NPLA-Onda

Artikel für NPLA-Poonal

Der Pfad der Frauen

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Marina Gallego, Sprecherin der Ruta Pacífica de las Mujeres

Wenn alles gut geht, unterschreiben die kolumbianische Regierung und die Guerillaorganisation FARC in den nächsten Monaten eine Friedensvertrag. Noch ist das nicht ausgemacht, weiterhin sind sich die Verhandlungspartner in einem entscheidenden Punkt uneinig: der Reintegration der Guerilleros und Guerilleras in die Gesellschaft. Außer Frage steht jedoch schon jetzt, dass Frauen in diesem Friedensdialog eine wichtige Rolle spielen. Wie in keinem anderen Prozesse dieser Art waren feministische Organisationen in die Verhandlungen mit einbezogen. Vor allem das Netzwerk „Ruta Pacífica de las mujeres“ setzte sich für diese Beteiligung ein. Deren Sprecherin Marina Gallego erhielt jüngst stellvertretend für die „Ruta Pacífica“ den Menschenrechtspreis der Friedrich-Ebert-Stiftung. Aber wird ein Ende des Krieges auch der Gewalt Grenzen setzen, der Frauen in Kolumbien ausgesetzt sind? Onda hat nachgefragt.

Der Beitrag: https://www.npla.de/podcast/kolumbien-der-pfad-der-frauen/

Den Poonal-Artikel zum Audiobeitrag findet ihr hier.

Kein Geld, kein Interesse

imagesWer kümmert sich künftig darum, dass der Mord an der honduranischen Umweltaktivistin Berta Cáceres aufgeklärt wird? Und wer sorgt dafür, dass die Wahrheit über das Verschwinden von 43 mexikanischen Studenten eines Tages ans Licht kommt? Wie keine andere Institution verfolgt die Interamerikanische Menschenrechtskommission (CIDH) die Verbrechen gegen Oppositionelle, Journalist*innen und andere Opfer der gewalttätigen Verhältnisse auf dem amerikanischen Kontinent. Doch die Arbeit der CIDH ist in Gefahr. „Wenn wir nicht sofort Geld bekommen, müssen wir am 31. Juli 40 Prozent unserer Mitarbeiter verlassen“, sagte die stellvertretende Generalsekretärin der Behörde Elizabeth Abi-Mershed. Die Kommission befindet sich in einer schweren finanziellen Krise, erklärte sie.

taz, 28. Juni 2016

poonal, 1. Juli 2016

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