Es riecht nach Putsch

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Wer bei den Präsidentschaftswahlen in Honduras vom vorvergangenen Wochenende gewonnen hat, wird vielleicht nie ans Licht kommen. Doch die Tatsache, dass die Nationale Wahlbehörde (TSE) seit acht Tagen kein Ergebnis veröffentlicht, spricht für sich. Tag für Tag stieg nach Angaben des TSE die Stimmenzahl für den Präsidenten Juan Orlando Hernández, während Gegenkandidat Salvador Nasralla angeblich seinen anfänglichen Fünfprozentvorsprung verlor und nun hinter dem Rechtspolitiker liegt.

taz, 5. Dezember 2017

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Einmal Terrorist, immer Terrorist?

KomiteegesamtMÉRIDA/SINZHEIM/DANNENBERG/BERLIN taz | Von Kersten Augustin, Sebastian Erb und Wolf-Dieter Vogel.

Der Mann, der seit mehr als zwei Jahrzehnten vor der deutschen Polizei flieht, steht in Venezuela auf einer Weide und hat gerade eine Kuh gemolken. In der Ferne ragen die Anden in den Himmel, manche Berge sind grün, manche ziemlich karg. 57 Jahre alt ist Peter Krauth, ein Mann mit schütteren grauen Haar und Schnauzer, so wie ihn hier viele tragen. Vor ihm weiden die Tiere, Peter Krauth ist heute Bauer.

In einem anderen, früheren Leben arbeitete er als Tischler. Ende der 70er zog er aus der badischen Provinz nach Berlin, dort betrieb er mit seinen Freunden eine Holzwerkstatt, ging auf Antifa-Demos.

taz am Wochenende, 2. / 3. Dezember 2017

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Militär gegen linke Demonstranten

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Straßenblockaden, brennende Autoreifen und Tote: Eine Woche nach den Präsidentschaftswahlen in Honduras spitzt sich die Lage im Land immer mehr zu. Seit Tagen demonstrieren Tausende Oppositionelle und werfen der Regierung vor, bei der Auszählung der Stimmen betrogen zu haben.

Staatschef Juan Orlando Hernández verhängte indes am Freitag einen zehntägigen Ausnahmezustand. Von 18 Uhr bis 6 Uhr gilt seither eine Ausgangssperre. Zudem soll nun das Militär die Polizisten im Einsatz gegen die Demonstrantinnen und Demonstranten unterstützen.

Nach Angaben des unabhängigen Netzwerks „Runder Tisch der Menschenrechte“ sind bei den Protesten zwei Menschen getötet und mindestens 24 durch Polizeikugeln verletzt worden. Etwa 300 Personen wurden festgenommen.

taz, 4. Dezember 2017

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Korrupt und von Gewalt geprägt

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Ginge es nach der Opposition, wäre die Präsidentschaftswahl in Honduras vom kommenden Sonntag bereits ungültig, bevor sie überhaupt nur begonnen hat. „Nein zur Wiederwahl“ skandierten jüngst rund 10.000 Demonstrantinnen und Demonstranten auf den Straßen der Hauptstadt Tegucigalpa und forderten, dass der amtierende Staatschef Juan Orlando Hernández nicht mehr antritt.

Dass der Rechtspolitiker für den Urnengang kandidiere, sei illegal, erklärten die Protestierenden, die das Mitte-links-Bündnis „Oppositionelle Allianz gegen die Diktatur“ unterstützen. Auch die Liberale Partei (PLH) kritisiert Hernández’ erneute Kandidatur und spricht von „Landesverrat“.

taz, 24. November 2017

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Verzweifelte Lage

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Keine Schmerzmittel, keine Blutkonserven, keine Medikamente für die Chemotherapie – jeden Tag, an dem er zur Arbeit geht, erhält Gabriel Romero von seinen Kollegen die gleichen Antworten: „Haben wir nicht“, „Ist gerade nicht vorrätig“, „Gibt es nicht.“

In der Krebsklinik Luis Razetti fehlt es an allem. „Wie soll ich unter solchen Umständen noch Patienten behandeln?“, fragt sich der Arzt. Gestern etwa habe er stundenlang auf sterile Handschuhe für Operationen gewartet. „Wir konnten deshalb nur drei anstatt zehn Personen operieren“, erzählt der Onkologe, während er durch die langen Flure des Krankenhauses läuft.

Hunderte Patienten kommen jeden Tag in die in Caracas gelegene Klinik. Dutzende Männer und Frauen sitzen in den Gängen und blicken den Doktor hoffnungsvoll an. Kann er ihre Krankheit heilen? Kann er zumindest ihr Leiden lindern?

woxx, 2. November 2017

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Sex, Lügen und ein Drogenboss

castilloAlles begann mit einem Tweet. „Ich vertraue inzwischen mehr auf El Chapo Guzmán als auf die Regierungen“, schrieb die mexikanische Schauspielerin Kate del Castillo vor fünf Jahren auf Twitter. Um zu verdeutlichen, was der Drogenboss tun könnte, legte sie noch nach: „Wäre es nicht super, Sie würden einfach anfangen, mit Gutem zu handeln?“ Etwa mit Medizin für Kranke oder Essen für Straßenkinder statt mit Drogen. „Handeln Sie mit Liebe, Sie wissen, wie das geht.“

Nein, das habe sie alles nicht wörtlich gemeint, sagt sie heute. Doch die warmen Worte für den Chef des mexikanischen Sinaloa-Kartells, der Zehntausende Todesopfer auf dem Gewissen hat, lösten einen Sturm der Entrüstung aus. Und sie sorgten dafür, dass sich del Castillo und ihr US-Kollege Sean Penn drei Jahre und einige Tweets später mit Joaquín „El Chapo“ Guzmán trafen. Diese Visite führte wiederum dazu, dass der 60-Jährige jetzt in New York hinter Gittern sitzt – und sie stellte das Leben der in Hollywood lebenden Schauspielerin auf den Kopf.

taz, 7. November 2017

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Tropischer Vandalismus

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Sie kamen im Morgengrauen, noch bevor die Sonne ihre ersten Strahlen auf die Häuser am Hang warf. Behelmt und mit Pistolen bewaffnet drangen die uniformierten Männer in La Ensenada ein. Stufe für Stufe schritten sie voran, von Tür zu Tür. „Wir hatten nur zwei Stunden Zeit, um alles zusammenzupacken“, erinnert sich Irene González. Zwei Stunden, in denen die Ve­nezolanerin alles aufgeben musste, was sie in den letzten 30 ­Jahren geschaffen hatte: ihr Haus, ihr Feld und vor allem ihre Comunidad – das gemeinschaftliche Leben im Viertel, das ihr so wichtig geworden war.

Amnesty-Journal, September 2017

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