In Freiheit, nicht in Sicherheit

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Lost in Caracas. Foto: Franziska Bruder

BERLIN taz | Über zwei Jahre nach seiner Verhaftung in Venezuela ist der deutsche Linke Bernhard Heidbreder wieder auf freiem Fuß. Vor wenigen Tagen wurde er aus der Haft entlassen. „Ich bin sehr froh, dass das jetzt endlich vorbei ist“, sagte er der taz. Nun hoffe er darauf, in Vene­zue­la bleiben zu können. Er hat dort politisches Asyl beantragt. Bis zur Entscheidung über seinen Aufenthaltsstatus darf der 55-Jährige, der vor seiner Festnahme mit seiner Frau in der Stadt Mérida gelebt hatte, Caracas nicht verlassen.

taz, 01. August 2016

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Der Pfad der Frauen

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Marina Gallego, Sprecherin der Ruta Pacífica de las Mujeres

Wenn alles gut geht, unterschreiben die kolumbianische Regierung und die Guerillaorganisation FARC in den nächsten Monaten eine Friedensvertrag. Noch ist das nicht ausgemacht, weiterhin sind sich die Verhandlungspartner in einem entscheidenden Punkt uneinig: der Reintegration der Guerilleros und Guerilleras in die Gesellschaft. Außer Frage steht jedoch schon jetzt, dass Frauen in diesem Friedensdialog eine wichtige Rolle spielen. Wie in keinem anderen Prozesse dieser Art waren feministische Organisationen in die Verhandlungen mit einbezogen. Vor allem das Netzwerk „Ruta Pacífica de las mujeres“ setzte sich für diese Beteiligung ein. Deren Sprecherin Marina Gallego erhielt jüngst stellvertretend für die „Ruta Pacífica“ den Menschenrechtspreis der Friedrich-Ebert-Stiftung. Aber wird ein Ende des Krieges auch der Gewalt Grenzen setzen, der Frauen in Kolumbien ausgesetzt sind? Onda hat nachgefragt.

Der Beitrag: https://www.npla.de/podcast/kolumbien-der-pfad-der-frauen/

Den Poonal-Artikel zum Audiobeitrag findet ihr hier.

Kein Geld, kein Interesse

imagesWer kümmert sich künftig darum, dass der Mord an der honduranischen Umweltaktivistin Berta Cáceres aufgeklärt wird? Und wer sorgt dafür, dass die Wahrheit über das Verschwinden von 43 mexikanischen Studenten eines Tages ans Licht kommt? Wie keine andere Institution verfolgt die Interamerikanische Menschenrechtskommission (CIDH) die Verbrechen gegen Oppositionelle, Journalist*innen und andere Opfer der gewalttätigen Verhältnisse auf dem amerikanischen Kontinent. Doch die Arbeit der CIDH ist in Gefahr. „Wenn wir nicht sofort Geld bekommen, müssen wir am 31. Juli 40 Prozent unserer Mitarbeiter verlassen“, sagte die stellvertretende Generalsekretärin der Behörde Elizabeth Abi-Mershed. Die Kommission befindet sich in einer schweren finanziellen Krise, erklärte sie.

taz, 28. Juni 2016

poonal, 1. Juli 2016

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Sechs Tote bei Demonstrationen

oaxaca-IIBERLIN taz | Es war ein blutiger Sonntag im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca: Sechs Menschen starben, als Bundespolizisten eine Straßenblockade von Lehrerinnen und Lehrern auflösen wollten. Dabei wurden mindestens hundert Personen verletzt. Die Beamten waren in der Stadt Nochixtlan mit Tränengas und Schusswaffen vorgegangen, die Demonstranten warfen Steine und zündeten Autos sowie Reifen an. Im Laufe der stundenlangen Auseinandersetzungen wurden 21 Personen festgenommen.

Wer für die Toten verantwortlich ist, bleibt zunächst unklar. Einiges spricht dafür, dass Polizisten die tödlichen Schüsse abgegeben haben. Die Regierung Peña Nieto widersprach Darstellungen, nach denen die Beamten bei den Einsätzen bewaffnet gewesen seien. Unbekannte hätten auf Zivilisten und die Polizisten gefeuert, um eine Konfrontation zu provozieren, erklärte die Nationale Sicherheitskommission (CNS).

taz, 21. Juni 2016

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Abkommen a la TTIP

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Malmström und Guajardo. Foto: Europäische Kommission

Mehr Handel, mehr Investitionen, mehr politische Zusammenarbeit: In Brüssel trafen sich am Montag EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström und ihr mexikanischer Amtskollege Ildefonso Guajardo zum Auftakt der Verhandlungen über die Erneuerung des gemeinsamen Globalabkommens. In der vergangenen Woche hatten bereits die EU-Außenminister grünes Licht für die Modifizierung des Vertrags gegeben, der seit 2000 in Kraft ist.

Geplant ist eine erhebliche Ausweitung des Warenaustauschs in den Bereichen Landwirtschaft, Dienstleistungen sowie auf dem Elektronikmarkt. Das bisherige Abkommen müsse, so Guajardo, „modernisiert, vertieft und ausgeweitet werden, um viele zu restriktiv gehandhabte Geschäftsfelder zu liberalisieren“. Nach dem Vorbild des geplanten TTIP-Abkommens mit den USA sollen weitere Handelsschranken fallen, ergänzte Malmström.

taz, 31. Mai 2016

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Von der Gelähmten zur Profitänzerin

koeln-7Draußen ist endlich der Frühling angekommen, doch den Tänzerinnen und Tänzer bleibt keine Zeit für Kaffeepausen unter den Bäumen auf dem Gelände der Kölner Wachsfabrik. Nur wenige Tage fehlen bis zur Premiere von „UpDATING YOU“, und noch immer stimmen einige Schritte nicht. Yanel Barbeito springt auf die Bühne und tanzt mit einem jungen Mann im Rollstuhl. Sechs Stunden Probe am Tag, eine unglaubliche Anstrengung für eine Frau, die ihre Arme und Beine nur eingeschränkt bewegen kann. Trotzdem ist die Kubanerin glücklich. Denn mit der DINA13-Tanzcompany macht die 44jährige völlig neue Erfahrungen.

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DeutschlandRadio, 13. Mai 2016

Das Fremde produktiv machen

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Updating You. Foto: Omar Gomez

Als sie das erste Mal nach Deutschland kam, war sie noch ein junges Mädchen. Im zarten Alter von sieben Jahren brachte ihr Vater Yanel Barbeito nach Ostberlin. Sie konnte weder laufen noch sprechen konnte, und weil in Havanna alle Behandlungen ausgereizt waren, sollten die Ärzte im Klinikum Buch helfen. Das Krankheitsbild war schwierig: Die kleine Yanel hatte einen Moment zu lange gebraucht, um auf die Welt zu kommen. Vielleicht vier, fünf Sekunden. Das führte zu einer Sauerstoffarmut, die eine kurze Lähmung des Gehirns hervorrief. Deshalb konnte sie ihre Arme und Beine zunächst gar nicht bewegen. Mediziner nennen das infantile Zerebralparese. Doch die Kubanerin hat ihre eigene Erklärung für die verspätete Geburt: „Ich hielt mich im Bauch meiner Mutter versteckt, um nicht zu sehen, was draußen passierte.“

 
37 Jahre später ist Yanel Barbeito nach Deutschland zurückgekehrt. Sie steht auf einer Bühne in der Kölner Wachsfabrik und probt mit der DIN A 13 Tanzcompany das Stück UpDATING YOU. Sie kniet auf dem Boden, springt hoch, wirft die Hände nach oben und lässt sich wieder fallen. Gemeinsam mit dem Rollstuhlfahrer Fabian Dirla und drei weiteren Tänzerinnen und Tänzern bewegt sie sich selbstbewusst aus dem Dunkel des hinteren Bühnenbereichs nach vorne. Dann tanzt sie im Duo mit einem körperlich unbeeinträchtigten Partner, kokettiert mit ihren weiblichen Reizen und spricht von Sex. Er lacht – vielleicht über sie, vielleicht auch über sich selbst. Wer ihr in diesem Moment zuschaut, glaubt nicht, dass die heute 44jährige in ihrer Kindheit zu kaum einer körperlichen Bewegung fähig war.

taz, 11. Mai 2016

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